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Das neue Betriebsrentenstärkungsgesetz seit 01.01.2018

6. Dezember 2018 / by Christopher Bieber

Das Solidarprinzip (Generationenvertrag) bröckelt und der demographische Wandel ist allgegenwärtig. Wer also im Rentenalter seinen gewohnten Lebensstandard halten will, muss zusätzlich vorsorgen – und das so früh wie möglich.

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Eine für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gut geeignete Variante der zusätzlichen Vorsorge ist und bleibt die betriebliche Altersvorsorge (bAV). Zu wenige Arbeitnehmer nutzen sie jedoch. Schätzungsweise besitzen lediglich 60 Prozent der rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer eine bAV. Von den restlichen 40 Prozent sind insbesondere Arbeitnehmer in kleineren oder mittelständischen Unternehmen betroffen. Viele von ihnen sind sogenannte Geringverdiener.

 

Aspekte einer stabilen Altersvorsorge

Bereits seit 2002 werden im Betriebsrentengesetz die Arbeitnehmeransprüche auf Entgeltumwandlung in Form einer betrieblichen Altersvorsorge geregelt. Wichtige Aspekte, die im Betriebsrentengesetz geregelt werden, sind die Unverfallbarkeitsregelung, der Übertragungsanspruch und die Insolvenzsicherung. Sie dienen einer stabilen Alterssicherung.

 

Betriebsrentenstärkungsgesetz seit 01.01.2018

Mit Wirkung zum 01.01.2018 trat nun das sogenannte Betriebsrentenstärkungsgesetz in Kraft! Die Neuerung im Bereich der Betriebsrente war längst überfällig und brachte weitreichende Änderungen im Recht der betrieblichen Altersversorgung mit sich.

 

Die Neuerung besteht aus zwei Teilen:

 

1. Neuer Arbeitgeberzuschuss bei Entgeltumwandlung

Ab 2019 müssen Arbeitgeber bei durch Entgeltum­wandlung finanzierten Neuzusagen einen 15-prozentigen Zuschuss bezogen auf den Umwandlungsbetrag in die bAV einzahlen, wenn der Arbeitgeber bei der Umwandlung Sozialversicherungsbeiträge einspart. Im Sozialpartnermodell gilt dies bereits seit der Einführung. Ab 2022 ist der Arbeitgeberzuschuss auch für bereits vor 2019 erteilte Zusagen zu leisten. Dies gilt in den Durchführungswegen Direktversi­cherung, Pensionskasse und Pensionsfonds. In Tarifverträgen kann von dieser Regelung abgewichen werden.

 

Handlungsalternativen:

    • Sie entscheiden, ob Sie die Beitragszuschüsse einfach zu einem Stichtag für alle Arbeitnehmer vorziehen, oder alternativ
    • die Beitragszuschüsse zeitver­setzt zu den jeweils durch den Gesetzgeber vorgesehenen Stichtagen zahlen.

 

2. Sozialpartnermodell (die Nahles-Rente – reine Beitragszusage)

Die Nahles-Rente kann nur zwischen den Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften vereinbart werden. Demnach wird sie nur im Rahmen eines Tarifvertrages beschlossen. Dies hat den Vorteil, dass die Unternehmen für die späteren Renten nicht mehr haften müssen – eine Garantie entfällt somit. Bestehende betriebliche Altersvorsorgeverträge sollten demnach überprüft und gegebenenfalls muss eine neue Betriebsrente hinzugefügt werden.

 

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

  • Die Erhöhung des Förderrahmens von vier auf acht Prozent der Beitragsbemessungsgrenze: Die ersten vier Prozent bleiben weiterhin steuer- und sozialversicherungsfrei, die restlichen vier Prozent sind steuerfrei. Interessant ist diese Änderung auch um eine Berufsunfähigkeit steuerlich zu fördern.
  • Bei der Geringverdiener-Förderung werden Arbeitgeberzuschüsse von mindestens 240 Euro bis höchstens 480 Euro im Kalenderjahr berücksichtigt. Der Arbeitgeber erhält 30 Prozent des Arbeitgeberbeitrages über eine Verrechnung mit der abzuführenden Lohnsteuer zurück. Somit ist eine betriebliche Altersvorsorge auch für Azubis interessant.
  • Beim „Opting-Out“ müssen sich Beschäftigte aktiv gegen eine bAV entscheiden, wenn sie diese nicht wünschen. Nach in Kraft treten des Betriebsrentenstärkungsgesetz kann diese Methode, unter bestimmten Voraussetzungen, rechtssicher gestaltet werden. Jeder Arbeitnehmer wird mit der Neuerung zu einem genannten Zeitpunkt angemeldet, zum Beispiel nach der Probezeit. Bisher galt das Prinzip genau andersherum. Der Beschäftigte musste aktiv werden, um eine bAV zu erhalten.
  • Riester geförderte Betriebsrenten werden mit dem Gesetz ebenfalls positiv beeinflusst. Die staatlich geförderte Vorsorge über den Betrieb war wegen einer doppelten Belastung mit Sozialbeiträgen bisher uninteressant. Zukünftig sollen aber diese Abgaben auf die Rentenzahlung wegfallen und die bAV-Riester wird einer privaten Riester gleichgestellt.
  • Die Nahles-Rente: Der Arbeitgeber ist lediglich nach dem Tarifvertrag verpflichtet, den vereinbarten Beitrag an die Versorgungseinrichtung zu bezahlen. Das bedeutet, dass es keine Garantie bezüglich der Höhe einer späteren Leistung gibt. Hiernach gibt es auch ein Verbot bezüglich einer Garantiezusage. Der Arbeitgeber muss die Umwandlung mit 15 Prozent bezuschussen. Es darf nur eine Rente ausgezahlt werden, keine Kapitalzahlung. Die möglichen Formen für die Nahles-Rente sind: Pensionsfonds, Direktversicherungen und Pensionskassen.

 

Haben Sie sich schon mit dem neuen Betriebsrentenstärkungsgesetz auseinandergesetzt? Es bietet Arbeitgebern jede Menge Chancen zur Optimierung und Mitarbeiterbindung. Zögern Sie daher nicht und vereinbaren Sie noch heute einen Beratungstermin!

 

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Topics: Fachkräfte finden, Blog, Betriebliche Altersvorsorge

Christopher Bieber

Verfasst von Christopher Bieber

Christopher Bieber ist Leiter einer der schnellst wachsenden Direktionen der Allfinanz Deutschen Vermögensberatung, mit 20 Vermögensberatern und rund 14.000 Kunden in Hamburg und Schleswig-Holstein.