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Die Gewerbesteuer - Wer muss sie zahlen und wofür?

15. September 2021 / by Christopher Bieber

Die Gewerbeertragssteuer oder etwas kürzer Gewerbesteuer ist eine Gemeindesteuer, die im Gemeindesteuergesetz geregelt ist. Denn sie wird von den zuständigen Gemeinden auf den Gewinn eines Unternehmens erhoben. Wie hoch die Gewerbesteuer ausfällt, richtet sich nach der Höhe des Gewinns pro Wirtschaftsjahr. Einzelunternehmen und Personengesellschaften sind von der Gewerbesteuer befreit, solang sie unter dem festegelegten Freibetrag bleiben. Alle Gewinne darüber müssen auch versteuert werden.

Auf einem Blatt Papier mit Diagrammen liegen ein Taschenrechner, ein Kugelschreiber und eine Büroklammer.

Allgemeines

Die Gewerbesteuererklärung ist bis zum 31. Mai des Folgejahres fällig und muss von jedem Gewerbetreibenden gemacht werden. Einzelunternehmen und Personengesellschaften, die den Freibetrag in Höhe von 24.500 Euro nicht überschreiten, sind von dieser Steuererklärung befreit. Der Gewerbesteuersatz beträgt 3,5% des zu versteuernden Einkommens eines Unternehmens - unabhängig von der Gemeinde, in der das Unternehmen ansässig ist. Der Hebesatz - ein Faktor, der zur Berechnung der Steuerschuld mit dem Steuermessbetrag multipliziert wird - hingegen, variiert von Gemeinde zu Gemeinde, beträgt jedoch mindestens 200%.

 

Beispiel

Eine Kapitalgesellschaft und eine Personengesellschaft - beide ansässig in Hamburg, wo der Hebesatz bei 470% liegt - haben im Wirtschaftsjahr 2020 jeweils einen Gewinn in Höhe von 100.000 Euro erzielt. Welchen Betrag müssen die Gesellschaften der Hansestadt jeweils zahlen?

Kapitalgesellschaft:

100.000 Euro x 0,035 (Gewerbesteuersatz) = 3.500 Euro
3.500 Euro x 4,7 (Hebesatz Hamburg) = 16.450 Euro

Personengesellschaft:

100.00 Euro - 24.500 Euro (Freibetrag) = 75.500 Euro
75.500 Euro x 0,035 (Gewerbesteuersatz) = 2.642,50 Euro
2.642,50 Euro x 4,7 (Hebesatz Hamburg) = 12.419,75 Euro

 

Kritik

Die Gewerbesteuer ist die am häufigsten diskutierte Steuer im deutschen Steuergesetz, da sie in den Augen vieler Kritiker gegen das Gleichheitsgesetz des Grundgesetzes spricht. Denn weder muss wirklich jeder Gewerbetreibende diese Steuer zahlen, noch sind die Hebesätze der Gemeinden ansatzweise gleich.

Letztendlich wird jedoch mit dem Äquivalenzprinzip argumentiert, welches den Grund der Erhebung der Gewerbesteuer erklären soll. Die Gewerbebetriebe sollen nach diesem Prinzip finanziell für ihre Existenz in der Gemeinde zur Verantwortung gezogen werden, da ihre Ansiedelung Kosten für Infrastrukturmaßnahmen oder auch Siedlungsfolgelasten verursacht.

Christopher Bieber

Verfasst von Christopher Bieber

Christopher Bieber ist Leiter einer der schnellst wachsenden Direktionen der Allfinanz Deutschen Vermögensberatung, mit 20 Vermögensberatern und rund 14.000 Kunden in Hamburg und Schleswig-Holstein.