Unternehmer-Blog

Working Out Loud - Gemeinsam besser werden

25. März 2020 / by Christopher Bieber

Der Corona-Virus hat uns überrollt und unser gesellschaftliches Leben aus den Fugen gerissen. Die deutsche Wirtschaft leidet und steht unter Druck. Besonders hart trifft es kleine- und mittelständische Unternehmen sowie Selbständige. Jeden Tag lernen wir etwas dazu, probieren Neues aus und helfen uns gegenseitig, mit dieser besonderen Situation umzugehen. In dieser besonderen Situation möchten wir ihnen eine besondere Form des Zusammenarbeitens vorstellen: Working Out Loud.

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Um Himmels Willen … denken Sie jetzt nicht, dass es darum geht, sich anzuschreien oder durch Lautstärke zu überzeugen. Nein, vielmehr geht es darum, Sinn und Chancen von Zusammenarbeit zu erkennen, sich langfristig und nachhaltig zu vernetzen sowie Transparenz über geleistete Arbeit zu schaffen.

Was ist Working Out Loud?

Working Out Loud (WOL) ist einfache Methode zur Verbreitung von Wissen, Erfahrungen, Einstellungen und Mindsets. Geprägt und „erfunden“ wurde WOL von Bryce Williams, der einen Blogbeitrag mit dem Titel „When will we work out loud?“ geschrieben hat. Er befasste sich bereits im Jahr 2010 mit der Frage: Was muss passieren, damit Menschen die sozialen Kollaborationstools im Unternehmen wirklich nutzen und vor allem richtig nutzen? Wie also kommen wir weg vom Silo-Denken und hin zu geteiltem Wissen. Bryce Williams brachte es in eine simple Formel:

Working Out Loud = Observable Work + Narrating Your Work

WOL ist demnach die Summe aus der „beobachtbaren Arbeit“ und dem „Über-die-Arbeit-sprechen“. Ziel ist es, dass Mitarbeiter durch eine offene, vernetzte Arbeitshaltung ihr Wissen nicht mehr wie einen Schatz hüten und für sich behalten, sondern allen zur Verfügung stellen. Beispielsweise können soziale Netzwerke und Kollaborationsumgebungen als Werkzeuge genutzt werden, um Wissen aktiv einzubringen. Weiterhin geht es darum, Netzwerke aufzubauen und in Beziehungen zu investieren, in denen Wissen auf unterschiedliche Weise weitergegeben wird. WOL ist dabei längst kein unbeschriebenes Blatt mehr. Es kommt mittlerweile bei zahlreichen großen und namhaften Unternehmen zum Einsatz. Bosch, Audi, BMW oder auch Siemens praktizieren WOL bereits erfolgreich. „Mich beeindruckt, wie schnell sich das Thema bei uns verbreitet hat und wie positiv das weltweite Feedback ist. Ich höre immer wieder, dass die Methode aufgrund ihrer Vielseitigkeit und ihrer Einfachheit ganz unterschiedliche Mitarbeiter begeistert und überzeugt." so Christoph Kübel, Geschäftsführer und Arbeitsdirektor der Robert Bosch GmbH.

Wie funktioniert Working out Loud

Umgesetzt wird WOL im sogenannten WOL-Circle. Über einen Zeitraum von zwölf Wochen findet einmal wöchentlich ein Treffen statt. Bei jedem Treffen wird ein anderes Thema durch verschiedene Übungen besprochen. Die Teilnehmerzahl der Treffen liegt zumeist bei drei bis fünf. Entscheidend ist, dass jeder Teilnehmer sein eigenes, individuelles Ziel verfolgt. Dieses muss auch nicht notwendigerweise mit denen der anderen Teilnehmer übereinstimmen. Wichtig ist jedoch, dass sich die Teilnehmer gegenseitig bei der Erreichung ihrer Ziele unterstützen. Für die zwölf Wochen gelten daher folgende Leitplanken:

  • Schärfe deine Aufmerksamkeit und biete erste Beiträge an.
  • Erlange Aufmerksamkeit und werde sichtbar.
  • Mach es persönlich und sei zielgerichtet.
  • Mach es zur Gewohnheit und entwickle weitere eigenständige Beiträge.
  • Werde systematischer und reflektiere.

Es gilt: Nicht, wer sein Wissen hütet, kommt voran, sondern wer es mit anderen teilt. Die Teilnehmer des WOL-Circles sind dazu angehalten, ihre Gedanken zu teilen, sich gegenseitig zu unterstützen und gemeinsam Strategien zu entwickeln. Nur auf diese Weise, macht die Methode Sinn. (Quelle: John Stepper)

Working Out Loud basiert auf fünf Prinzipien

  1. Beziehungen (Relationships):

Durch den Aufbau eines sozialen Netzwerks entstehen Beziehungen, die beruflich und privat für beide Seiten hilfreich sind.

  1. Großzügigkeit (Generosity):

Ehrliche Großzügigkeit erwartet keine Gegenleistung. Nach diesem Prinzip werden Wissen und Informationen geteilt, Feedback wird angeboten und wertvolle Tipps werden geliefert.

  1. Sichtbare Arbeit (Visible work):

Seine eigene Arbeit wird sichtbar gemacht. Man zeigt, woran man gerade arbeitet und welche Zwischenergebnisse es schon gibt. Von diesen Erkenntnissen können nicht nur andere profitieren, sondern Doppelarbeit und Fehler vermieden werden.

  1. Zielgerichtetes Verhalten (Purposeful Discovery):

Jeder verfolgt sein individuelles Lernziel. Es geht darum, fokussiert an Zielen zu arbeiten und diese diszipliniert zu verfolgen.

  1. Wachstumsorientiertes Denken (Growth Mindset):

Das Feedback und Know-how anderer hilft dabei, sich stetig zu verbessern. Man lernt, Sichtweisen von anderen zu schätzen, seine eigene Komfortzone zu verlassen und zu erweitern und Veränderungen als Chance wahrzunehmen. (Quelle: https://www.projektmagazin.de)

Vorteile von Working out Loud

  • Vorhandenes Wissen wird im Team geteilt und kann somit optimal genutzt werden.
  • Know How wird bereichsübergreifend verbreitet und kann somit in verschiedenen Bereichen nützlich sein.
  • Es werden Einstellungen und Fähigkeiten der Mitarbeiter entwickelt.
  • Die Motivation eines jeden Einzelnen wird gefördert.
  • Das Unternehmen profitiert von einem Plus an Agilität, Innovation und Zusammenarbeit.
  • Es wird Kollaboration gefördert.
  • Die Gruppendynamik verbessert sich.
  • Gemeinsam werden Ideen und Lösungen entwickelt.
  • Die WOL-Circles bieten die richtige Atmosphäre, um auch mal ein Risiko einzugehen.
  • Es wird direktes Feedback gegeben und erhalten.
  • Es wird gelernt, mit Kritik umzugehen.
  • Es entstehen langfristige, nachhaltige Beziehungen über die 12 Wochen hinweg.

Fazit

Ohne den Transfer von Wissen bleiben Silos bestehen. Daher müssen sich freies und vernetztes Denken als Grundsteine für den kulturellen Wandel in Unternehmen – gerade in Zeiten, wie diesen – manifestieren. Zu den Schlagworten der heutigen Arbeitswelt gehören unabdingbar: digital, selbstorganisiert, kollaborativ und vernetzt. Damit dies umgesetzt werden kann, ist das Unternehmen oder Sie als Unternehmer dafür zuständig, für die entsprechend benötigten Rahmenbedingungen zu sorgen. Um ihre Mitarbeiter schlussendlich zu dieser Vernetzungskompetenz hin zu entwickeln, bietet Working Out Loud die passenden Werkzeuge. Seien Sie Vorbild. Machen Sie ihre Arbeit sichtbar und motivieren Sie auch ihre Mitarbeiter und Kollegen dazu! Erfahrungsgemäß helfen Aufrufe und Appelle nicht wirklich weiter, Mitarbeiter müssen erleben, was es bringt. Probieren Sie es einfach mal aus und berufen ihre Mitarbeiter und Kollegen in unterschiedliche WOL-Circles!

Sie sind an weiteren Informationen interessiert? Melden Sie sich gern bei uns, wir stehen ihnen jederzeit für Fragen zur Verfügung.

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Topics: Blog, Unternehmer, Prozessoptimierung

Christopher Bieber

Verfasst von Christopher Bieber

Christopher Bieber ist Leiter einer der schnellst wachsenden Direktionen der Allfinanz Deutschen Vermögensberatung, mit 20 Vermögensberatern und rund 14.000 Kunden in Hamburg und Schleswig-Holstein.